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Ein Raunen ging durch den Saal, als Werner Gillmann am Samstagabend in der, bis auf den letzten Stuhl besetzten Festhalle in Offenbach dem Publikum verkündete, das Jubiläumskonzert zum
zehnjährigen Geburtstag sei gleichzeitig das letzte des „Ständelchores“ gewesen. Allgemeines Aufatmen kurz darauf, als der Vorstand des Jubiläumschors verkündete, warum der Chor sich umbenennt: „Die Leute denken
immer noch, wir bringen „nur“ hier und da ein „Ständchen““. Mit einem anderen Namen hoffen die mittlerweile sechzehn Chormitglieder nun in der regionalen Chorszene auf gebührende Anerkennung ihrer tatsächlichen
gesanglichen Leistung. Aus einem Buchstabensalat formierten die Sänger schließlich den neuen Namen: „Chorensemble inTakt“.
Dass sie wirklich mehr können, als in Feierlaune Hochzeitspaaren und Jubilaren ein Ständchen zu bringen, hatten die Sängerinnen und Sänger in den 90 vorangegangenen Minuten bewiesen.
„Die schönsten Filmmelodien“ hatte Chorleiterin Andrea Zwick zum Geburtstagskonzert für ihren Chor ausgesucht und dabei auf zum Teil recht schwierige Chorsätze zurückgegriffen. Am Samstagabend zeigten die sechs
Ständelchor-Männer mit der Präsentation des Originalsatzes „Bel ami“ von den Comedian Harmonists aus dem gleichnamigen Kinofilm, dass sie stimmlich durchaus mit der legendären Gesangsformation mithalten können. Die
Ständelchorfrauen imitierten gekonnt, wenn auch in drei mal stärkerer Besetzung als das Original, das Pastorentöchtertrio die „Andrew Sisters“ mit „Bei mir bist du schön“. Gemeinsam sang der A Cappella Chor den
„Titanic“ Titelsong und „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“, das die Comedian Harmonists einst für „Die drei von der Tankstelle“ intoniert hatten. Mit spürbarer Sangeslust und ansteckender Freude präsentierte
das Chorensemble „Probiers mal mit Gemütlichkeit“ aus dem
„Dschungelbuch“, „Ich wollt ich wär ein Huhn“ aus dem Film „Glückskinder“ und „Mein kleiner grüner Kaktus“. Aber auch Sentimentales wie „Can you feel the love tonight“ aus „König der Löwen“ und „When I fall in love“ („Schlaflos in Seattle“) brachte der Chor, den zum Jubiläumskonzert Achim Baas am Klavier begleitete, authentisch in die Ohren der Zuhörer. Als zusätzlichen Augenschmaus wurden auf einer Leinwand einige Schnappschüsse zu den dargebotenen Filmmelodien gezeigt.
Für seine ansprechende und witzige Moderation hatte Norbert Zwick gründlich recherchiert. Zu jedem Titel nannte er Film, Komponisten, Hauptdarsteller, gab Informationen zum Zeitgeschehen
preis und erzählte lustige Anekdoten. Etwa, dass „Moon River“ aus „Frühstück bei Tiffany“ 1960 einen Oscar bekam und der Film über den Untergang der Titanic manchen Drogerien eine Umsatzschwämme an Taschentüchern
beschert haben soll.
Schließlich wurde der anhaltende Applaus des begeisterten Publikums mit zwei Zugaben belohnt, dann schloss der Chor mit „Paulchen Panther“: „Jetzt ist wirklich Schluss“.
Drei Männer, zwei Frauen und ein Lied - so hat der Ständelchor vor zehn Jahren seinen feuchtfröhlichen Anfang genommen: Nach einem Konzert des Männergesangvereins hatten diese fünf
zu später Stunde Mozarts „ave verum“ angestimmt und eine Frau, die das hörte, hatte nach dem Namen des „Chores“ gefragt. Schon etwas angeheitert hatten diese damals spontan geantwortet: „Mir singen Ständle uff
Geburtsdaache unn so“. Die Folge: Für ein Essen als Gage sang der „Ständelchor“ das „ave verum“ eine Woche später bei einer Hochzeit. Nach zehn Jahren ist der Chor nun mit sechzehn Stammsängerinnen und -sängern
besetzt, die alle über langjährige Erfahrung in anderen Chören verfügen. Vier Jahre nach der zufälligen Gründung hat Andrea Zwick den Dirigentenstab von Peter Brandenburger übernommen, der in den Anfangszeiten
abwechselnd in den heimischen Wohnzimmern die musikalische Leitung des Ständelchors inne hatte. Das Repertoire umfasst heute einen dicken Ordner voller Chorliteratur aus Kirchenliedern, Gospels, klassischen Stücken
im Original und modernen Bearbeitungen, internationalen Volksliedern, Rock/Pop-Titeln – und Filmmelodien. Die musikalische Reife, die in diesen zehn Jahren gewachsen ist und die erfolgreiche Bildung der Stimmen soll
der neue Name nun zum Ausdruck bringen. Eine lieb gewonnene Gewohnheit wird jedoch nicht mit dem „Ständelchor“ sterben: Auch das „Chorensemble inTakt“ wird in bewährter Tradition Ständchen bringen und
donnerstagabends nach der Chorprobe im protestantischen Gemeindehaus in der Enggasse gemeinsam leckere Kochrezepte ausprobieren. Denn bei allem musikalischen Ehrgeiz soll auch in Zukunft die Geselligkeit nicht zu
kurz kommen ... . (srs)
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